Helmut Lembke

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Mein kleiner grüner Traktor

Also das war so. Für unsere Narag-Heizung und den Kaminholzofen haben wir schon immer Holz aus dem Wald geholt und gesägt. Schwere Arbeit aber wir waren ja immer zu dritt mit Papa und Torsten. Um das Holz aus den Wald zu bekommen mussten wir aber immer jemanden bitten mit Trecker und Anhänger zu helfen. Das wurde aber immer schwieriger und auch teurer jemanden zu finden. Warum also nicht selbst einen Trecker kaufen; dann ist man unabhängig. Eine ungefähre Vorstellung was für ein Trecker das sein sollte hatte ich schon. Ich hatte ja auch schon die verschiedensten Typen in Brokstedt gesehen. Ich wollte Holz holen, die Hauskoppel mähen und auch die Kreissäge antreiben. Und klein sollte er sein. Peter hat mir beim Suchen geholfen, aber hier oben im Norden war nicht so das Richtige aufzutreiben. Das waren entweder "Auslaufmodelle", Möhren mit Reparaturstau oder lieblos zusammengekloppter Mist. Also immer mal wieder Augen und Ohren offen gehalten. Dann kam mir so eine Eingebung als wir mal wieder über Früher und unsere Kindheit redeten. Oft genug stand ich bei uns am Tor und freute mich wenn der grüne Trecker vorbeigesaust kam. Man konnte ihn ja schon von weitem hören und ist dann schnell zum Tor gerannt um zu winken. Und man träumte davon selbst mal drauf zu sitzen oder vielleicht mal selbst zu fahren. Das wär was. Der Trecker gehörte Mamerow; seine paar Kühe hatte er hier auf diesem Ende vom Dorf. Wo war der Trecker; gab´s den vielleicht noch? Leider nein. Auch die vielen anderen kleinen Trecker waren verkauft oder verschrottet. Das meiste waren Eicher, einige Deutz und wenig andere wie Hanomag und MAN. Die Kleinbauern sind über die Jahre aus dem Dorfbild verschwunden und die wenigen größeren Bauern hatten bereits neuere, größere und stärkere Trecker im Einsatz.

Der grüne Trecker war ein 1-Zylinder Deutz. Genau so einen wollte ich jetzt haben und keinen anderen. Ein 15er Deutz luftgekühlt mit Mähbalken und Riemenantrieb; Hydraulik brauchte ich nicht. Ich suchte also einen F1L514 in Zeitschriften und im Internet. Und ich hab einen gefunden der mein Interesse geweckt hatte. In Sonneberg!? Keine Ahnung wo das war! Jedem Eisenbahnbesitzer wäre Sonneberg geläufig gewesen; mir nicht. In Sonneberg nahe Coburg steht die Fabrik die die fazinierenden Märklin Spielzeugeisenbahnen baut. Also am WE nix wie hin und einmal anschauen. Geld für eine Anzahlung hatte ich mitgenommen. Da stand er nun. Grün in (fast) neuer Farbe mit Mähwerk und lies sich starten und bewegen. Der damalige Bauer war in die Jahre gekommen und brauchte ihn nicht mehr und jetzt stand er in einer Zimmerei und wurde für kleine Transporte und den jährlichen Festumzug genutzt; also eigentlich viel zu wenig. 3100,-€ sollte er kosten. Wir haben uns auf 2700,-€ geeinigt und ich hab 500,-€ angezahlt. Gleich am nächsten Wochenende hat Gunther mir mit seinem Transporter und einem geliehenen Trailer geholfen den Deutz noch oben zu holen. Das waren dann noch mal 2x600km und 350,-€ für Trailer, Hotel und Diesel. Am 25.03.2006 stand mein Deutz endlich bei mir zu hause und ich war glücklich!

 Deutz in SonnebergDeutz auf dem Heimweg

Als erstes mal zur Zulassungsstelle und ummelden; angemeldet war er ja noch und er hatte auch noch TÜV. Ich hatte den Original Brief, Fahrzeugschein und den Kaufvertrag mit dabei und mir war auch klar, daß ich bei der Ummeldung einen neuen Fahrzeugbrief bekommen würde. Den originalen Brief wollte ich nicht hergeben sondern so wie er war als Zeitdukument behalten. Die Zulassungsstelle hat sich aber stur gestellt und wollte den alten Brief unbedingt sehen, haben und zerschneiden. Diese Idioten. Mit dem Chef der Zulassungsbehörde konnte ich mich letztendlich darauf einigen, das der alte Brief nur ungültig gestempelt wurde. Damit konnte ich leben. Ein grünes Nummernschild wollte ich nicht. Damit hätte ich den Überrollbügel nicht abbauen dürfen. Auch die Besteuerung war mir bis dahin nicht klar. Steuerbefreit mit grünem Nummernschild war ja nicht schlecht. Mit einem "normalen" Zulassung wird ein Traktor aber nach Gewicht besteuert; und da hatte ich ja einen Vorteil. Der 15er Deutz wiegt ja nur 1320kg und das macht dann ca. 112,-€ Steuern im Jahr bei einem zGG von 1900kg. Mit der Versicherung war es ähnlich kompliziert. Die Itzehoer hatte nur Tarife zu "Mondpreisen". Hier hab ich mich dann für die Züricher entschieden, die mir eine passende Oldtimerversicherung für 36,-€ im Jahr angeboten hatte.

Jetzt erst habe ich mich so richtig mit dem Deutz beschäftigt. D.h.: Dokumentation besorgen und studieren. Kriegt man über´s Internet; teilweise auch als Download verfügbar. Anbieter für Ersatzteile gibt es auch noch mehrere und in Sachen Verfügbarkeit sieht das auch ganz gut aus. Der 15er Deutz ist ja auch in relativ hoher Stückzahl verkauft worden. Werbeprospekte und ein Emailleschild hab ich mir auch besorgt. Das macht die Sache rund.Deutz Prospekt 1Deutz Prospekt 3Deutz Prospekt 2Deutz Prospekt 4

Einige Kleinigkeiten gab es noch zu tun, zu überprüfen und auszuprobieren obwohl der Deutz in einem wirklich guten Zustand war. Die Lenkung, bei diesem Deutz ein Schwachpunkt, hatte wenig Spiel oder "Ackerluft" wie man sagt. Auf den Pedalen waren "K" für Kupplung und "B" für Bremse noch gut zu sehen. Das heist im Klartext, daß der Traktor nicht wirklich viel gearbeitet hatte und auch nicht sehr hart "rangenommen" wurde. Das Anspringen ging aber nicht wirklich gut. Ich musste auch schon mal mit Startpilot nachhelfen. Mir kamen jetzt ernsthafte Bedenken, ob nicht das der wirkliche Grund für den Verkauf gewesen ist. Beide Male beim Verkäufer war der Deutz schon auf Betriebstemperatur wenn wir ihn angelassen haben. Aber dazu später noch...

Ich hab das Motoröl SAE20W20 gewechselt. Dafür hab ich mir auch extra ein 20-Liter Gebinde von diesem nicht legierten Einbereichsöl besorgt; kann man immer mal gebrauchen. Getriebeöl SAE80W90 hab ich gewechselt sowie den Dieselfilter erneuert als auch den Ölbad-Luftfilter gereinigt. Und natürlich den Trecker komplett abgeschmiert. Einige Nippel waren leider überlackiert; aber dagegen kann man ja was machen. Der Blinker-Schalter war nicht i.O., ging aber zu reparieren, und die 7-polige Steckdose für den Anhänger hab ich erneuert. Anders sah es mit mit der Riemenscheibe aus. Nachdem ich herausgefunden hatte wie man diese dazu schaltet, hörte man auch schon Geräusche: Lagergeräusche. Das muste ich mir genauer ansehen und hab diese dann gleich im Mai 2006 vom Getriebe abgebaut und auf der Werkbank zerlegt. Hier hat Deutz schlecht konstruiert. Sämtlicher Abrieb aus dem Getriebe sammelt sich im angeflanschten Tunnel und somit auch in den beiden Lagern und kommt da auch von alleine nicht wieder raus. Ich hab beide Lager erneuert und gleich welche mit Abdeckung genommen und nach dem Zusammenbau alles schön mit RAL6002 (Laubgrün) angemalt.

Deutz Riemenscheibe 1Deutz Riemenscheibe 2

Das Mähwerk hab ich mir auch vorgenommen. Erstens weil bei dem Kraftheber ein Bolzen abgerissen war und der Rest vom Bolzen noch im Gewinde steckte und weil es zweitens beim Lackieren vom Vorbesitzer nicht mitgemacht wurde. Technisch keine Herrausforderung; hat nur ein bischen mehr Zeit gebraucht um das Mähwerk generalüberholt wieder anzubauen. Anbei ein paar Bilder zu den beiden Reparaturen.

Deutz Mähwerk 1Deutz Mähwerk 2

Mein Deutz war jetzt einsatzbereit und hat fleißig beim Aufräumen in unserem neuen NER (Naturerlebnisraum) geholfen. Treckerfahren macht einfach nur Spaß; dachte ich. Auf dem Heimweg schlugen auf einmal Funken aus der Motorhaube. Der Schreck war groß, aber das konnte ja nur Elektrik sein. Zu Hause hab ich mir das dann sofort angeschaut. Was soll ich sagen: das dicke Plus-Kabel das zum Anlasser geht war fast komplett durchgescheuert und war an Masse gekommen. Deshalb die starken Funken. Ich hab mir passende neue Schutztüllen besorgt und ein neues Plus-Kabel mit neuen Polschuhen verpresst. Und was soll ich sagen: jetzt sprang mein Deutz auch wieder richtig gut an. Im nachhinein wurde mir die Sache dann auch klar. Das Kabel war fast durchgescheuert und mit diesem geringeren Querschnitt hat der Anlasser nicht genug Strom bekommen und hat einfach zu langsam gedreht. Alles klar. Der Verkäufer hatte wohl auf Zylinder und Kompression getippt, die teure Reparatur gescheut und lieber verkauft ohne das Startproblem auch nur ein einziges mal anzusprechen. Solche Typen gibt es leider viel zu oft. Aber Schwamm drüber. In diesem Fall war ich der Gewinner!

Seit 2006 sind wir nun jeden Winter mit dem Deutz im Wald gewesen und haben unser Holz geholt. Für das Stockholz habe ich die Kreissäge rausgeholt und mit der Riemenscheibe vom Deutz angetrieben. Dafür muss zwar das komplette Mähwerk abgelegt werden aber das Sägen selbst geht prima. Im Sommer 2007 hab ich das erste Mal meine Hauskoppel mit dem Mähbalken gemäht. Keine Ahnung von nix aber ich hab das gut hinbekommen. Was soll ich sagen. Nach dieser Aktion war ich dreckig und staubig aber ich hab mich gefühlt wie ein König. Vielleicht kann ja der eine oder andere von euch dieses herrliche Gefühl nachempfinden. Im Winter 2009 hatten wir noch Schnee hier oben und wir haben die Schlitten der Kinder an den Deutz gehängt. War ein Riesenspaß für alle mit den 3 Schlitten durch die kleinen Schneewehen zu toben. Und dann helfen wir noch jedes Jahr im Frühjahr beim Dorfputz. Mit mehreren Traktoren fahren wir unsere Gemeindestraßen ab und sammeln den Müll ein, den Unbelehrbare während der Fahrt aus ihren Autos geworfen haben. Man glaubt ja nicht was man da alles findet und für ein paar Wochen sehen die Straßenränder immerhin wieder sauber aus...

Deutz mit SägeDeutz beim Wombeln

Nach nun über 10 Jahren mit meinem 15er Deutz kann ich nur Gutes berichten. Er läßt mich nie im Stich und läuft und läuft und läuft... Er hat zwar nur 15PS aber dafür eine sehr große Schwungmasse für den einen Zylinder. Zusammen mit dem starken Getriebe fährt der die Wand hoch! Sparsam ist er auch. Ich brauche ca. 1 Liter Diesel pro Stunde. Eigentlich müßte ich den Tank ständig abschöpfen wenn er im Leerlauf tuckert. Der Klang des 1-Zylinders mit 1330cm³ bei niedriger Drehzahl ist Musik für meine Ohren. Ich freue mich jedes mal auf´s Neue wenn ich ihn anlasse.

Noch ein kleiner Nachtrag zu den laufenden Kosten: fast zu vernachlässigen! Außer ab und zu mal einen Öl- und Filterwechsel gab es nur Kleinigkeiten zu reparieren. Im Dezember 2008 ist mir während der Fahrt der Auspuff abgefallen; durchgerostet. Den konnte ich für 120,- neu kaufen. Im Februar 2013 ist mir im Wald die Einspritzleitung gerissen. Da ging garnichts mehr. Ich stand da mitten auf dem Waldweg mit einem vollen Hänger Holz. Es war ein Ermüdungsbruch durch Vibration. Mit einer provisorischen Einspritzleitung und mühsamer Entlüftung der Einspritzanlage ging´s dann endlich nach einigen Stunden nach Hause, wo ich dann Tage später eine neue Leitung für 20,-€ eingebaut habe. Dann war mir noch wegen Dusseligkeit die Raspeschraube vom Mähwerk abgerissen und die Hupe ging 2016 nicht mehr. Hier war ich aber unter Zeitdruck weil ich schon einen Termin mit dem TÜV hatte und hab mir kurzerhand gebrauchten Ersatz besorgt. Sogar die Hupe bei meinem Deutz ist ein kleiner technischer Leckerbissen. Elektromechanik zum Anfassen und reparierbar. Das mach ich dann irgendwann einmal wenn ich Zeit finde.

 

In diesem Sinne: allzeit gute Fahrt und viel Spaß mit euren Oldtimern

Euer Helmut