Helmut Lembke

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Mein Cabriolet

Also. Vor ca. 10 Jahren hatte ich neben meinem Beruf noch eine Menge andere Aufgaben und war ziemlich eingebunden. In der wenigen Freizeit wollte ich dann auch noch ein paar Touren mit dem Motorrad machen. Doris mochte nicht mehr mitfahren und darum hatten wir irgendwie zu wenig Zeit miteinander. Cabriolet schien mir ein geeigneter Kompromiss mit Frischluft und gemeinsamer Ausfahrt an der die Tochter dann auch noch teilnehmen konnte. So kam der Stein allmählich in´s rollen. Aber welches Cabriolet? Da erinnerte ich mich an unsere erste gemeinsame Cabriolet-Ausfahrt im Jahre 1992. Ich hatte 1992 einen guten gebrauchten VW Passat Variant bei Quast in Mölln gekauft und dort dieses rote, schicke Audi-Cabriolet gesehen. Der Verkäufer war so nett (sicher wegen dem Kaufvertrag) uns dieses Cabriolet für einen Nachmittag zu überlassen. War eine tolle Ausfahrt mit Picknick im Rapsfeld. So etwas vergißt man nicht; und auch nicht das Auto. Ich wusste mitlerweile, das Audi ja auch dieses Cabriolet mit TDI-Motor verkauft hatte. Als bekennender Diesel-Fan schien mir das genau das das richtige Cabriolet zu sein: chick und sparsam für 4 Personen. Danach hatte ich dann auch gesucht; aber diese Motorisierung war relativ selten. Den ersten hab ich mit in der Nähe von Osnabrück angeschaut; der war aber von einem "An- und Verkauf" Händler und schlecht im Lack. Den zweiten habe ich mir in Bremen angeschaut und Probe gefahren. Der Motor lief gut und die Technik war O.K. Innenraum, Heckscheibe und ein paar andere Dinge aber nicht. Der Verkäufer hatte über 8000,.€ aufgerufen; mein Preis musste mit einer 7 anfangen. Wir sind uns auch nicht einig geworden. Dieser Verkäufer rief mich später noch einmal an, aber da hatte ich mein Cabriolet bereits. Und das eher zufällig und auch kein Diesel. In meiner Fa. hatte ich mit Heino über mein Vorhaben gesprochen und über ihn hab ich dann auch den Kontakt zu Rolf bekommen der sein Cabriolet verkaufen wollte. Ein Benziner. Ich war skeptisch aber Anschauen kostet ja nichts. Das war im Januar 2007. Auf dem Grundstück von Rolf stand ein Audi Cabriolet 2.3 "wie aus dem Ei gepellt". Traumhafter Zustand. Da war es passiert. Rolf war Verkäufer bei Beckmann in Trittau und hatte seine Autos immer dort Warten lassen. Checkheft gepflegt. Nach einem Hagelschaden komplett neu lackiert und mit neuem Verdeck. Gepflegt hatte er ihn selbst und erzählte mir alles über Teppichpflege, Lederpflege, Öle, Fette, etc. Der Motor hatte einen tollen Klang und ohne zu wissen was ich da eigentlich fahre sind wir gemeinsam zu Doris gefahren um das Cabriolet vorzustellen. Unterwegs gab es noch jede Menge Informationen zum Thema Motortemperatur, Öltemperatur, behutsames warmfahren, Bremsen und Automatik-Schalten in den Ortschaften, u.s.w. Doris fand das Cabriolet auch schick; warum auch nicht. Nach einer kurzen Nacht Bedenkzeit habe ich das Cabriolet dann am nächsten Tag für 5600,-€ gekauft. Dazu gehörte die komplette Dokumentation mit belegten Rechnungen und 4 ABT-Felgen mit Bereifung; man kann auch sagen: so richtig breite Puschen. Die Ummeldung hat Rolf für mich gemacht nachdem vorher noch ein KL-Regler bei Beckmann eingebaut wurde. Dafür hab ich dann noch mal 280,- bezahlt. Ich hatte mich natürlich wegen Steuern und Versicherung schlau gemacht; und die Steuern waren ganz schön happig. Mit dem Kalt-Lauf-Regler kam ich in eine andere Schadstoffklasse und das sah dann für die Kosten schon deutlich besser aus. Am 12.01.2007 war alles perfekt und der Audi stand bei mir auf dem Hof.

 Audi Cabriolet April 2007

Bei schlechtem Wetter hab ich das Cabriolet nicht gefahren und so hatte ich auch Zeit mich ein bischen intensiver mit dem Drumherum zu beschäftigen. Ich hab mir Literatur mit Prospekten besorgt und originale Werkstadthandbücher mit Mikrofiche zu einem günstigen Kurs. Ich habe beim googeln natürlich auch diese tolle Internetseite www.audicabriolet.de entdeckt wo jede Menge Informationen, Tipps und Tricks zu finden sind. Wirklich klasse und hilfreich. Hier habe ich dann auch eine Zeichnung für die Abmessung und ein Preisangabe gefunden. Jetzt erst habe ich richtig begriffen was für ein "Sahnestück" ich da eigentlich habe. Audi Cabriolet 2.3 mit dem "geilen" 5-Zylinder (NG)Motor, Automatik, Leder, etc. also eine Vollausstattung. Nach Fahrgestellnummer ist diese Cabriolet eines der ersten 1000 Stück die gebaut wurden bis dann später die anderen Motorisierungen dazu kamen.

Cabriolet-AbmessungenCabriolet Preisliste-1991

Wenn ich jetzt in 2018 auf 10 Jahre mit diesem Youngtimer zurückblicke möchte ich ihn nicht mehr missen. Chick und Zeitlos und ich bin heilfroh, daß ich in den Zeiten von Diesel-Gate einen Benziner besitze. Allerdings hat man nicht nur Spaß mit solch einem Auto. Es gilt fast jedes Jahr etwas zu reparieren. Als bekennender Motorradfahrer bin ich da vielleicht etwas verwöhnt, aber an meinen Motorrädern war nie so viel zu tun. Na ja, an einem Auto sind ja auch viel mehr Teile dran als an einem Zweirad. Ich habe mal versucht die Reparaturen in Gruppen zusammenzufassen:

ElektriK: Für mich ein Schwachpunkt bei diesem Cabriolet. Gleich im ersten Frühjahr 2007 brauchte ich eine neue Batterie. War wohl mal dran. Danach ging dann kurze Zeit später der Fensterheber auf der Fahrerseite nicht mehr. Das Relais war es nicht. Das war ein satter Kabelbruch in der Knickstelle der Fahrertür. Da konnte man schon sehr deutlich sehen, daß die Kabelisolierungen alle spröde werden und brechen. Grundsätzlich sind alle Masseleitungen kritisch und mussten überprüft und verbessert werden. Probleme mit dem Anzeige-Instrument gab es auch. Hier habe ich 2012 kalte Lötstellen nachbehandelt und Kontrolllampen ausgetauscht. Spinnen tut die Elektrik auch manchmal. Der Kühlerlüfter-Motor ging eines Nachts unkontrolliert an und wollte den kalten Motor kühlen!? Hier musste ich das Nachlaufrelais erneuern, daß irgendwie einen Quatsch gemacht hat. Bis dahin habe ich mich nur gewundert und repariert. Aber es geht noch viel schlimmer: Im Sommer 2016 hatte sich die Automatik-Antenne bei abgeschlossenem Auto selbständig gemacht. Die Antenne war von alleine ausgefahren und hat sich selbst nicht mehr abgeschaltet. Ich musste die Batterie abklemmen und als ich die Elektrik der Antenne freigelegt hatte bekam ich einen richtigen Schreck. Das ganze Gehäuse der FUBA-Antenne war verschmolzen. Mit anderen Worten: hätte ich diese Fehlfunktion zu spät gesehen hätte mir das Cabriolet abbrennen können. Neue FUBA-Antennen gibt es nicht nicht meht zu kaufen. Ich habe mit Glück eine brauchbare defekte bei ebay gefunden, bei der ich dann die Antriebsritzel, die Schaltrelais und die Schalt-Transistoren erneuern konnte. Die läuft seitdem ohne Probleme. Ich bin nur froh, daß ich ein mechanisches Verdeck habe; sonst hätte ich da auch noch Probleme mit dem Kabelbaum, Motore und Mikroschalter.

KabelbruchFUBA-Antenne

Motor: An dem Motor selbst gibt es nichts zu meckern. Der ist sehr gut konstruiert, laufruhig und solide. Trotz seiner 133PS und seiner sportlichen Auslegung kann man den bei guter Wartung und Pflege 400.000 bis 500.000km fahren. Ich habe jetzt 223.000 km auf der Uhr und bin in den 10 Jahren ca. 35.000km gefahren. Etwas problematischer ist hier die Einspritzanlage und die Zündung zusammen mit der Sensorik. Die Zündkerzen müssen öfter mal getauscht werden und auch die Verteilerkappe mit Finger musste mal erneuert werden. Das hilft beim Rundlauf. Bei der KE-Jetronik sieht es schon etwas anders aus. Die habe ich regelrecht studieren müssen um Leerlaufschwankungen und Kaltstartprobleme beheben zu können. Für einen Neuling finde ich das Thema schon sehr anspruchsvoll und komplex. Hier habe ich Staudruck gemessen, Benzinfilter getauscht, Rücklauf gemessen, Nebenluft eleminiert, Kaltstartventil erneuert, Einspritzventile neu abgedichtet und mich sogar mit dem Stauscheibenpoti beschäftigt. Und auch das sogenannte NG-Problem (Motorkennbuchstabe: NG) habe ich lösen können. Wenn die Temperaturmessung mit dem Temperaturfühler (4-polig) nicht funktioniert bekommt das Steuergerät falsche Werte und die Gemischaufbereitung stimmt überhaupt nicht. Dies ist der hauptsächliche Grund für die Kaltstartprobleme gewesen. Des Rätsels Lösung: der Sensor hatte keinen vernünftigen Massekontakt. Und jetzt kommt es. Die Masse holt sich der Fühler normalerweise über den Kühlwasserflansch der wiederum über die beiden Bolzen Massekontakt zum Motorblock herstellen. Bei mir waren die Bolzen oxidiert und den so notwendigen Massekontakt verhindert. Die Teile hab ich sauber aufgearbeitet und nun startet das Cabriolet auch wieder einwandfrei im warmen als auch im kalten Zustand. Im Bild zu sehen der Test mit einem provisorischen Massekabel und das Stauscheibenpoti mit schlechtem Kontakt. An dieser Stelle noch ein Hinweis zu den heutigen Kraftstoffen: E10 tanke ich nicht aber auch der normale Superkrafstoff hat 5% Ethanol. Das hat zur Folge, daß sich dieser Kraftstoff in der Winterpause entmischen kann und sich somit etwas Wasser im Tank aber auch im Mengenteiler wiederfindet. Dieses Wasser kann dann zu Korrosion in diesem Präzisionsbauteil führen. Ich empfehle hier jedem für die letzte Tankfüllung des Jahres den ethanolfreien Kraftstoff von Shell (V-Power) oder Aral (Ultimate) zu nehmen um dieser möglichen Korrosion vorzubeugen.

 TemperaturfühlerStauscheiben-Poti

LuftmengenmesserNebenluft

Fahrwerk und Karosserie: Hier gibt es wenig zu sagen. Solange die Fahrwerksbuchsen nicht ausgeschlagen sind gibt es beim Fahrwerk auch keine Probleme. Lediglich die Manschetten der Servo-Lenkung und die beiden hinteren Bremssättel musste ich überholen bzw. erneuern. Ach ja. Den kleinen Supergau hätte ich beinahe vergessen: rechte Antriebswelle vom Automatik-Getriebe war 2016 gebrochen. Da ging garnichts mehr und ich musste mich von meinem Bruder in die Werkstadt schleppen lassen. Bei der Karosserie sind es auch nur ein paar Kleinigkeiten gewesen: Neue Dämpfer für den Verdeckkastendeckel und auch neue gebrauchte Verdeckkastenschlösser sowie ein neues Kofferraumdeckelschloß habe ich eingebaut. Hier gab es Probleme mit den Mikroschaltern (wieder mal Elektrik). Leider ist mir 2013 der Wärmetauscher der Heizung undicht geworden. Das habe ich lieber in der Werkstadt bei Beckmann machen lassen. Ich bin mir sicher das ich dafür 2 Tage gebraucht hätte und mir auch die Finger dabei abgebrochen hätte, weil die komplette Konsole samt Amaturenbrett raus muss. Das war mir die 450,-€ wert und ich hatte auch noch Garantie auf die Teile und den Einbau.

Weitere Reparaturen will ich nur kurz erwähnen: Wischwasserpumpe mit neuen Düsen, Kühlerschlauch mit Flansch (Kunstoff), noch eine Batterie, Zahnriemen mit Wasserpumpe, neuer Gaszug, Handbremsseile, neues Getriebeöl mit Filter für die Automatik, Verschleißteile wie Bremsscheiben, Beläge, Reifen, Öl- und Filterwechsel, etc...

Fazit nach 10 Jahren und 35.000km: das Fahren macht immer noch Spaß. Den Verbrauch bekomme ich dank Automatik und den breiten Reifen nicht unter 10 Liter. Es gilt jedes Jahr etwas zu reparieren; aber das gehört nun mal dazu und ist auch nicht problematisch solange die Kosten im Rahmen bleiben. Das Problematische bei diesem Cabriolet der ersten Generation ist die Ersatzteilversorgung über den VAG-Händler. Immer wieder bekomme ich zu hören, daß man dieses oder jenes Teil nicht mehr bekommen kann. Hier macht sich Audi die Sache sehr leicht. Nach 20 Jahren ist die Ersatzteilversorgung einfach nicht mehr garantiert. Hier einige Bespiele: FUBA-Antenne, Antriebswellen, Innenausstattung, Fußmatten und sogar einige Motoren-Anbauteile sind einfach nicht mehr zu bekommen. Es werden zwar einige Teile wieder von der Audi-Tradition aufgelegt; aber die lassen sich die Teile auch fürstlich bezahlen. Mit der Wertentwicklung sah es vor einigen Jahren nicht so gut aus; eher rückläufig. Das hat sich "Gott sei Dank" geändert. Der Trend zeigt jetzt Richtung 9.000€ für mein 89er Cabriolet mit dem 2,3-Liter NG-Motor im originalen und unfallfreien Zustand 2.

 

In diesem Sinne: allzeit gute Fahrt und viel Spaß mit euren Youngtimern

Euer Helmut